Interview mit der Foodbloggerin
Claudia Braunstein aus Salzburg –  die Dame in BEIGE

Seit ich meinen Blog schreibe, begegnen mit überaus interessante und charmante Menschen, deren Lebensgeschichten mich unwahrscheinlich begeistern. Schon einige dieser PERSÖNLICHKEITEN habe ich für interviewt und Euch vorgestellt.

Heute stelle ich Euch CLAUDIA BRAUNSTEIN aus Salzburg vor. Claudia habe ich durch Zufall vor kurzem kennengelernt, über zwar über INSTAGRAM. Ihr Instagram Account „Claudia on tour“ hat mich sofort angesprochen. Spontan kam unser erstes Treffen in München zustande.

Claudia on tour am See

Was sich aus unserem unkomplizierten Treffen und dem ausgiebigen Interview ergeben hat, könnte Ihr heute lesen – viel Freude!

Martina: Was hat Dich dazu bewogen, Dich auf Instagram „quasi“ öffentlich zu machen?

Claudia: Ich würde sagen, als Blogger benötigt man ohnedies Accounts auf diversen Social Media Kanälen. Anfangs gab es bei mir auf Instagram nur Rezepte und Foodbilder. Irgendwann, als ich begann aus der Anonymität herauszutreten, habe ich begonnen meinen Alltag zu dokumentieren, inklusive Fotos von mir. Seit ich auch über Fashion schreibe, ist das ja fast notwendig.

Claudia on tour im Autohaus

Martina: Wie kamst Du auf die Idee, den Blog „Claudia on tour“ ins Leben zu rufen?

Claudia: CLAUDIA ON TOUR.com ist mein Zweitblog.  Er entstand 2015 aus all den angesammelten Reisen, die ich mit meinem Foodblog unternehme. Eigentlich war er ursprünglich als reiner Travelblog gedacht. Heute ist er ein Lifestyleblog für Menschen, vorwiegend Frauen, über 50.

Martina: „Geschmeidige Köstlichkeiten“ ist Dein Blog den es seit 4 Jahren gibt. Was hat Dich bewogen, diesen außergewöhnlichen und ich möchte schon sagen, einzigartigen Blog zu schreiben?

Claudia: Nach meinem Wissenstand ist mein Foodblog tatsächlich der einzige deutschsprachige Blog der sich dem Thema Dysphagie widmet. Ich schreibe dort aus eigener Betroffenheit Rezepte für Menschen mit Kau- und/oder Schluckstörungen. Ferner erzähle ich von meinen Ausflügen in die vorwiegend gehobene Gastronomie im Zusammenhang mit meiner Behinderung. Ein spannendes Projekt.

Martina: Wer stellt die Rezepte auf „Geschmeidige Köstlichkeiten“ zusammen?

Claudia: Diese Rezepte stammen ausschließlich aus meiner eigenen Küche. Außer bei Gastposts oder wenn ich bei meinen Restaurantbesuchen Rezepte geschenkt bekomme. Ich habe kochen im Hausgebrauch bei meiner seligen Omi gelernt, bei der ich auch aufgewachsen bin. Sie inspiriert mich auch 12 Jahre nach ihrem Tod immer noch.

Martina: Möchtest Du meinen Leserinnen und Lesern etwas über Deine – wenn ich es so nennen darf – körperliche Einschränkung erzählen?

Ich leide durch eine überstandene Mundhöhlenkrebserkrankung unter Dysphagie. Genau genommen handelte es sich um einen eher seltenen, bösartigen Zungenrandtumor mit Übergang in den Mundboden. Das hatte zur Folge, dass ein erheblicher Teil meiner Zunge entfernt werden musste und dadurch kann ich nur mehr sehr eingeschränkt kauen und schlucken.

Meine Aussprache ist ebenfalls verändert. Ich kann die Buchstaben G und K kaum mehr aussprechen. Durch die Chemo- und Strahlentherapie habe ich auch noch andere Einschränkungen erlitten, dazu zählen Nervenschäden in Händen und Füssen. Schwerhörigkeit am rechten Ohr und eine Bewegungseinschränkung im Halsbereich.

Claudia on tour im Park

Martina: Welche alltäglichen Einschränkungen erlebst Du, die wir uns persönlich überhaupt nicht vorstellen können?

Claudia: Irgendwie bin ich einen großen Teil meines Alltages mit essen beschäftigt. Ich muss oft für mich bedarfsgerecht kochen, weil ich Normalkost nicht zu mir nehmen kann. Mir ist aber Essen einfach sehr wichtig, ich bin ein Genussmensch, und möchte mich nicht mit Brei abfinden. Auswärts essen ist sehr oft ein Hindernislauf, wie du ja selber miterlebt hast. Da treffe ich öfter auf totales Unverständnis.

Martina: Woher nimmst Du die Kraft, alles so anzunehmen und sogar noch neue Energie zu entwickeln und selbst als Unterstützung für betroffene Patienten zu fungieren?

Claudia: Das frage ich mich auch manchmal. Und ich bin sehr froh, dass es so ist, wie es ist. Ich bin ein positiver Mensch und habe viele Ressourcen in meinem bisherigen Leben angehäuft, die mir bei der Stressbewältigung behilflich sind. Krebs ist Stress pur, auch wenn ich das nie so empfunden habe. Ich unterstütze genau aus diesem Grund andere Patienten, weil ich mit meiner eigenen Erkrankung sehr gut umgehen kann. Es hat auch etwas mit großer Dankbarkeit zu tun.

Martina:  Welche Projekte stehen demnächst noch an?

Was den Foodblog anbelangt, so hoffe ich doch sehr, dass endlich das Projekt Kochbuch in die Gänge kommt. Aber offenbar braucht gut Ding wirklich Weile. Was den Lifestyleblog anbelangt, so bin ich gerade dabei die Themen zu erweitern. Ich glaube, dass gerade in der Kategorie Ü50 sehr viel Möglichkeiten vorhanden sind.

Es gibt im deutschsprachigen Raum nicht sehr viele und da sehe ich doch eine große Chance. Ich bin in der Foodbloggerszene sehr gut vernetzt, das würde ich mir für den Lifestyleblog auch wünschen. Aber hier ist die Szene ganz anders gelagert. Bei den Foodies ist das Alter zum Beispiel komplett egal.

Claudia on tour in beige

Martina: Wie dürfen wir uns Deinen ganz normalen Alltag vorstellen?

Claudia: Ich bin immer noch eine Frühaufwacherin, das stammt noch aus der Zeit als die Kinder im Haus waren. Ich bin ja in Pension und die beiden Blogs mit ihren Nebentätigkeiten sind sozusagen mein Nebenjob.

Aber das Bloggen ist meine Tagesstruktur und bestimmt meinen Alltag. Wenn ich nicht gerade in meinem Homeoffice sitze und Blogposts schreibe, dann recherchiere ich oder pflege meine virtuellen Kontakte. Ich bin sehr viel unterwegs. Zu Events und auf Reisen, die fast alle mit den Blogs zu tun haben.

Kochen ist natürlich ein Teil meines Alltages, wobei ich erst wieder lernen musste für zwei Menschen zu kochen. Früher hatte ich ja einen sehr großen Haushalt. Übliche Haushaltstätigkeiten, wie Bügeln, Staubsaugen oder Badezimmer putzen kann ich auf Grund meiner körperlichen Einschränkungen nicht mehr verrichten. Meine gerade eben überstandene Bauchoperation hat das nochmals verstärkt.

Rezepttipps von der Foodbloggerin Claudia

Martina: Hast Du für meine Leser ein ganz spezielles Rezept aus den „Geschmeidigen Köstlichkeiten“, sozusagen DEIN Lieblingsrezept?

Claudia: DAS Lieblingsrezept gibt es nicht. Was mir am meisten fehlt ist Fleisch. Das gleiche ich mit Tartar aus.

In dieses hier könnte ich mich eingraben – REHTARTAR

Claudia geschmeidige Köstlichkeiten

Und ich liebe FRISCHKÄSE, den kann man wunderbar selber herstellen.

Claudia geschmeidige Köstlichkeiten II

Martina: Was möchtest Du meinen Lesern mit auf dem Weg geben?

Claudia: Es gibt einen abgedroschen Spruch, in dem sehr viel Wahrheit liegt und der lautet: Wo eine Türe zugeht, dort öffnet sich eine andere. Ich kann dem sehr viel abgewinnen. Das Wichtigste ist allerdings, dass man diese Türe findet und auch öffnet. Manchmal gibt es auch mehrere.

Martina: Liebe Claudia, es war ein so interessantes Gespräch mit Dir. Ein großes DANKESCHÖN! Ich bin von Dir begeistert, Du bist eine so sympathische und charmante Frau. Ich bin so happy, dass wir uns im Internet begegnet sind. Und wir sehen uns ja ganz bald wieder – und dann darf ich Dich in Salzburg besuchen.

Claudia hat einen wunderschönen Blog-Beitrag über ihren Besuch in MÜNCHEN geschrieben – sehr lesenswert! HIER!

Bleib mir gewogen!
MARTINA BERG

Bilder von Claudia Braunstein sind von Renate Eisen-Schatz aufgenommen.
Bilder unter den Rezepten sind von Claudia Braunstein privat.